Wie endet Kapitalismus?

Jeder braucht das Wort Kapitalismus, für die meisten ist es sogar ein Zauberwort. Es hat die Welt dazu gemacht, was sie jetzt ist. Nicht nur die westliche, nein, die ganze Welt. Wohlstand für jedermann – welch wunderbare Welt. Dass der Kapitalismus nun aber zu einer Erfindung gemacht wird, die nur positives hervorgebracht hat, ist meiner Ansicht nach ziemlich daneben, denn das Konzept wurde nie zu Ende gedacht.

Monopoly ist wohl die beste Erklärung für den ganzen Prozess, den man in diesem System durchläuft.

Am Anfang kriegt jeder Spieler gleich viel Geld und startet quasi ohne sonstigen Besitz. Und das ist wohl der einzige Unterschied den es zwischen Spiel und Kapitalismus gibt, denn viele Leute starten mit Vorschuss, dies könnte man aber natürlich auch beim Brettspiel einführen, man beerbt sich bei jedem neuen Spiel selbst, ob mit Schulden oder bereits stehenden Hotels sei dahin gestellt. Somit haben wir schon den ersten unstimmigen Punkt erreicht in der Realität. Man entwickelt ein System, das Menschen bevorzugt, die durch Schicksal oder Glück bereits einen Vorsprung haben. Aber greifen wir mal nicht vor.

Wir drehen die erste Runde und kaufen uns mal hier eine Strasse und da einen Bahnhof, ganz nach eigenem Gutdünken. Der eine hat dann ein bisschen weniger Geld, der andere mehr, einer muss ins Gefängnis und der andere gewinnt in einem Schönheitswettbewerb. So ist das Leben. Dies geht dann eine Weile gut für alle, alle sind so richtig glücklich, weil die eigene Taktik ja aufzugehen scheint. Bis das erste Hotel auf „Zürich Paradeplatz“ steht. Dann nämlich beginnt der Kampf ums überleben. Klar hast du selbst irgendwo noch zweidrei Häuser in Chur oder Schaffhausen stehen, da landet aber nie jemand drauf und je näher der Paradeplatz kommt, desto mieser wird die Laune. Du schaffst es wahrscheinlich eine oder zwei Runden lang aber irgendwann landest du genau darauf. Nun reibt sich der Besitzer stolz die Hände und du beginnst voller Schweiss deine schäbigen Häuschen zu verkaufen, verpfändest deine Grundstücke und drückst dem hämisch lächelnden Gegenüber deine letzten Moneten in die Hand.

Jetzt geht’s über Los und du freust dich auch schon über 200.- Honorar, was wahrscheinlich im wahren Leben den Lohn darstellen würde und landest treffsicher auf den Steuern. Als braver Bürger drückst du dann die gerade eingenommenen 200.- an den Fiskus ab und stehst für die nächste Runde pleite da, vor allem ist der Paradeplatz noch vor dir und in der Zwischenzeit haben sich die andern auch überall noch ein paar schicke Hotels gekauft. Also alles Tretminen, schlimmer als auf einer Kuhweide. Aber eben wie im Leben, aufhören kann man ja nicht einfach so, oder es wäre natürlich nicht unbedingt fair gegenüber den anderen Mitspielern. Warum? Weil, du ja sicher irgendwann wieder über Los kommst und dann wieder 200.- hast, die man dir abknöpfen kann.

Und so drehen wir Runde um Runde, bis dann jeder mal den Paradeplatz besucht hat, sein ganzes Hab und Gut verhökert und das Land verpfändet hat. Der Besitzer des Paradeplatzes hat aber jetzt ein Problem. Er will ja noch mehr einnehmen, sonst wird das Spiel langweilig. Also entweder faulen jetzt nach und nach alle Mitspieler raus oder er unternimmt etwas. Genau das ist der Punkt, an dem neue Regeln erfunden werden. Nicht etwa um den beinahe Bankrotten zu helfen, sondern dem „Zürcher“ noch mehr anzuspülen. Die Regeln werden ja auch von ihm gemacht ab diesem Punkt, denn wer nichts mehr hat, ist sicher froh, wenn ihm etwas gegeben wird. So unterwerfen sich nach und nach alle dem „Paradeplätzer“ und haben sichtlich keinen Spass mehr an dem Spiel. Es gibt jedoch keinen Ausweg mehr. Das wichtigste ist es nun nur mehr so oft wie möglich über „Los“ zu kommen, damit man sein Darlehen beim „Zürcher“ bezahlen kann. Und wenn dann einer sagt, er wolle aussteigen, dann ist er für alle nur noch ein Spielverderber.

Und wie endet dieses Spiel? Alle sind pleite ausser einem, der ist stinkreich und besitzt alles, was mal allen anderen gehört hat.

Wie endet Kapitalismus?

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