Schämt euch!

Eine ganze Weile ist es her als ich mich zum letzten Mal zu Wort gemeldet habe. Nicht dass es nichts mehr zu sagen gegeben hätte. Im Gegenteil. Das haben andere übernommen. Solche, die wahrscheinlich besser nichts sagen sollten. Aber es ist ja jedem heut zu Tage die Möglichkeit gegeben, seine Meinung über den ganzen Planeten zu streuen, egal ob diese nun verlangt wurde. Meist sind es dann auch die, die man nie fragen würde, die am lautesten brüllen, ungefragt, selbstverständlich. Weil sie das Recht dazu haben. Also habe ich mich zurückgelehnt und mal alles über mich herein prasseln lassen. Es ging nicht lange, machte sich eine Art Hoffnungslosigkeit breit und ein Gefühl der Scham kam auf. Fremdscham. Wie kann es sein, dass vermeintlich erwachsene Menschen kollektiv auf einem 16 jährigen Mädchen rumhacken, das eigentlich ja nur sagt, wir, und sie schliesst sich mit ein, sollen nicht alles kaputt machen. Da gibt es plötzlich Bilder von ihr im Netz mit idiotischen Sprüchen drunter, wie sie nicht mal ein Pubertierender von sich lassen würde. Überall lachen vermeintlich erwachsene Menschen ein junges Mädchen aus, verhöhnen es und sprühen Hass ihm gegenüber aus, nur weil es seinen Prinzipien treu wird. Spinnt ihr eigentlich alle? Oder fühlt ihr euch so unter Druck gesetzt, dass ihr euch nicht mehr um den Inhalt der Aussage kümmert? Ist das eine erwachsene Reaktion auf berechtigte Fragen? Euch sollte man zurück auf die Schulbank drücken! Wo ist eure Erziehung, wo euer Stolz? Oder ist man wirklich einfach zu bequem geworden, sich mit unangenehmen Dingen auseinander zu setzen?

Es ist ja alles gut und alles, was diesen Zustand gefährden könnte, wird vehement in seine Schranken gewiesen. Gab‘s das nicht schon mal? Da ging es doch um ein Schiff, das in einen Eisberg steuerte und dann sank. Ach ja, in der Geschichte ging‘s ja gar nicht darum, sondern um einen Di Caprio.

Und jetzt? Weiter zur Tagesordnung. Der Hass wurde deponiert, jetzt kann man getrost weiter werkeln, ohne sich über irgendwas Gedanken machen zu müssen. Es sind so oder so alle andern, die alles falsch machen, da fällt man selbst nicht mehr auf und ändern kann man es so oder so nicht.

Schon nur sich die Frage zu stellen, ob der Klimawandel nun das Verschulden des Menschen sei, zeigt, dass man wirklich nichts ändern will. Sonst würde man die Frage nicht stellen. Es spielt doch überhaupt keine Rolle, wer das Problem verursacht hat, wenn man es lösen will. Nur dann wenn man es nicht lösen will, sucht man nach einem Schuldigen.

Wenn man sich nicht für eine Thematik interessiert, dann ist es vielleicht angebrachter, sich nicht noch dümmlich darüber zu äussern. Oder vielleicht ist gerade das Ausdruck dafür, dass irgendwo ein Nerv getroffen wurde und man sich selbst ertappt fühlt, vielleicht ist es ja das gut verschlossene Gewissen, das sich hier zum Vorschein zu kämpfen versucht, jedoch zu schwach ist, der Faulheit Paroli zu bieten.

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