Das Geschäft mit dem „Ohne“

Es scheint fast, als wären den multinationalen Konzernen die Ideen ausgegangen. Oder doch nicht? Noch vor einigen Jahren hatte sogar jede Kloschüssel beinahe eine Bluetooth-Schnittstelle und aus dem Handy hätte man am liebsten noch einen Espresso rausdrücken können. Mittlerweile scheint es jedoch in zu sein, ein Produkt mit „ohne“ zu bewerben. Ohne Gluten, ohne Alu, ohne Zucker, ohne Fett, ohne Alkohol, ohne USB, ohne Kopfhörerbuchse, ohne was auch immer. Am besten eine leere Packung oder noch besser einfach nur ein Preisschild im Schaufenster ohne Produkt und ohne Verpackung. Das wäre dann der Gipfel des Kapitalismus – quasi das „Ohne“ noch ohne etwas zu verkaufen. Welch‘ himmlische Vorstellung. So würde wahrscheinlich die Zukunft der Musik auch aus einem 3-minütigen Track Stille als iTunes-Download oder Spotify-Stream bestehen, würde ja die Ohren schonen und die Krankenversicherung könnte ihre Lobby losschicken, um die Dezibel-Grenzwerte bei Konzerten auf 0DB zu senken. Bücher wären leere Seiten, die Geschichte steckt ja in jedermanns Kopf.

„Ohne“ ist die Zukunft! Ohne Hirn, ohne wenn und aber, ohne Kompromisse. Der Markt mir dem „Ohne“ boomt und „Ohne“ wird immer teurer, ist bereits jetzt teurer als das „Mit“. Das ist jedoch erst der Anfang… Ohne Geld bezahlt schon jetzt mehr Steuern als mit, ohne Alkohol kostet schon jetzt fast doppelt so viel wie mit, glutenfrei, pestizidfrei, fettfrei etc. Das Wort „frei“ initiiert bereits die nächste Stufe: es macht das „Ohne“ zu einem positiven Erlebnis. Wer ist nicht gerne frei in dieser doch so freien Welt? Und dafür wird dann noch der letzte Rappen ausgequetscht.

Klar gibt es auch das ehrliche „Ohne“, nur bringt das leider kein Geld ein und macht somit nicht frei.

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